„25.000+ in Düsseldorf“ - Wie aus einer guten Idee eine mehr als fragwürdige Aktion wurde

Das FARE-Netzwerk unterstützt die Kritik des Netzwerks F_in Frauen im Fußball an der Fanaktion 25.000+ in Düsseldorf.

Sexismus im Fußball, Machoverhalten und Chauvinismus in und um das Stadion stehen nach wie vor auf der Tagesordnung: Frauen wird Kompetenz in Sachen Fußball abgesprochen, oder sie müssen sich erstmals durch Fachwissen beweisen und rechtfertigen. Frauen erfahren Beleidigungen und Anzüglichkeiten, die sie in vielen Fällen auf Geschlechtswesen reduzieren. Wie etwa neulich, als einige Fans von Fortuna Düsseldorf eine prinzipiell gute Idee hatten: So soll zum Spitzenspiel gegen Union Berlin der Besucherrekord im Stadion eingestellt werden. Mit verschiedenen Flyern wurde auf die Aktion 25.000+ aufmerksam gemacht. Allerdings war einer dieser Flyer völlig daneben: Mit sexistischem Motiv und Spruch wurde in Düsseldorf um offensichtlich primär männliche Zuschauer geworben: der Flyer zeigt den Körper einer Frau in Unterwäsche, der auf das vermeintlich „Wesentliche" beschränkt ist: die Brüste ragen weit in den Vordergrund, Kopf und Beine sind abgeschnitten. Darunter der Spruch: „Elf Freunde zählen mehr als zwei“.

Kritik aus den eigenen Reihen der Fanszene Düsseldorf kam bei den Machern nicht an.
Ultras Düsseldorf
Supporters Club Düsseldorf

Im Gegenteil, Kritikerinnen dieses Flyers wurden mit Ausfälligkeiten bedacht, erschreckend und bedenklich auch, dass manchen Kritikerinnen mit Gewalt und Vergewaltigung gedroht wurde.

Die kritischen Reaktionen aus der aktiven Düsseldorfer Fanszene sind ein absolut positives Zeichen in dieser ansonsten peinlichen Sache, sagt Nicole Selmer als Vertreterin des Netzwerks F_in Frauen im Fußball. Die Macher der Aktion und die Befürworter des Flyers sind sich offenbar der Tragweite ihres Handelns nicht bewusst. Frauen werden im Stadion immer noch regelmäßig wegen ihres Geschlechts belästigt und beleidigt.

Während Rassismus im Fußball in der Zwischenzeit wahrgenommen und auch problematisiert wird und auch für Homophobie zumindest zum Teil schon Bewusstsein besteht, wird Sexismus im Fußball von vielen weder erkannt noch hinterfragt. Schon seit längerem ist das Netzwerk F_in (www.f-in.org) aktiv und hat sich u.a. als Ziel gesetzt, gegen Sexismus und Diskriminierung vorzugehen und Frauen im Fußball sichtbarer zu machen, auch einzelne Faninitiativen widmen sich der Sensibilisierung für Sexismus. Auch das FARE-Netzwerk wird künftig mit seinen Erfahrungen in der Arbeit gegen Diskriminierung stärker auf Sexismus fokussieren und seine Anstrengungen in Richtung bewusstseinsbildende Maßnahmen ausbauen, denn wie das Beispiel 25.000+ zeigt, ist es mit dem Bewusstsein für Sexismus und seinen diskriminierenden bis gewalttätigen Implikationen noch weit.


Anmerkung:
Das Netzwerk Frauen im Fußball F_in ist ein Zusammenschluss von weiblichen Fans, Fanprojekt-Mitarbeiterinnen, Wissenschaftlerinnen und Journalistinnen aus dem Fußball und hat es sich zum Ziel gesetzt, Frauen im Fußballkontext sichtbarer zu machen und gegen Sexismus und Diskriminierung vorzugehen.

F_in Frauen im Fußball

15 April 2009

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