Ist der italienische Basketball rassistisch?26 Oktober 2005

Der italienische Basketball-Verband hat bekannt gegeben, dass ab der nächsten Basketball-Meisterschaft neben sechs ausländischen Spielern fünf „nach Geburt und Pass“ italienische (die von jemandem als „echte Italiener“ bezeichnet wurden, vielleicht in Anlehnung an das bekannte Lied von Toto Cotugno) sowie ein „nur“ nach Pass italienischer Spieler spielen dürfen. Auf dem ersten Blick scheint es sich dabei um eine Quotenregelung wie jede andere zu handeln. In der Tat aber, besonders mit der italienischen Sportwelt im Hinterkopf, wird dadurch eine stark diskriminierende Reform gegen die etwa 250.000 minderjährigen Kinder von Eltern, die beide Ausländer sind und ordnungsgemäß in Italien wohnen, durchgesetzt. Es handelt sich dabei um Minderjährige, die nicht in Italien geboren, hier aber aufgewachsen sind, die unsere Schulen besuchen oder besucht haben und wovon viele bestimmt auch schon Basketball spielen. Da sie nicht in Italien geboren sind, werden sie zweifelsohne weniger Chancen haben, Basketball zu spielen (nach dieser Logik ist sogar Carlton Myers kein „echter“ Italiener, da er im Ausland geboren wurde). Ihre bereits mageren Chancen verringern sich umso mehr wenn man bedenkt, dass sie laut Gesetz den italienischen Pass erst nach zehn Jahren Aufenthalt in unserem Lande bekommen können. Wenn dieser Moment vor ihrem achtzehnten Geburtstag kommt (wenn sie also vor ihrem achten Lebensjahr nach Italien umgezogen sind) werden sie auf jeden Fall auf die Volljährigkeit warten müssen, denn erst dann können sie die italienische Staatsangehörigkeit beantragen. Achtung: die Rede ist von „beantragen“! Die Antragsbearbeitungszeiten sind nämlich ziemlich lang (mindestens achtzehn Monate), und in der Zwischenzeit wird der „fast italienische“ Volljährige in jeder Hinsicht wieder ausländisch (und erhält eine Aufenthaltsgenehmigung). Fakt ist, dass für all diese Minderjährigen Basketball keine Option ist. Die Reform des italienischen Basketball-Verbands berücksichtigt ferner keineswegs die Minderjährigen mit einer „Aufenthaltserlaubnis“, denen sogar das Einwanderungsgesetz bestimmte Rechte einräumt. Abgesehen von den Gebürtigen Italienern, ist die Lage der Italiener, die im Ausland adoptiert wurden, ja noch absurder, da sie für den italienischen Basketball-Verband nur „nach Pass“ italienisch sind! Wird so unseren Nachwuchs geschützt, oder was? Die Angst vor der Einstellung ganz junger Ausländer (die es durch strengere Kontrollen zu bekämpfen gilt) reicht aus, um nicht mal die „Jugendlichen der italienischen Schule“, welche von den anderen Sportvereinen zugelassen werden, nicht in Betracht zu ziehen? Wann werden die Verantwortlichen für den italienischen Sport den Mut haben, endlich den Änderungen der gesellschaftlichen Strukturen Rechnung zu tragen?

Mauro Valeri
Dozent für Soziologie der Völkerbeziehungen an der Universität „La Sapienza“ in Rom, Autor der Abhandlung mit dem Titel „La razza in campo“ (Die Rasse auf dem Spielfeld), EDUP, 2005.