Auch ein Behinderter kann ein Ultra sein18 Oktober 2005

Ich bin behindert, jemand der wie viele andere dieser „Kategorie“ einen Lebensweg hinter sich hat, der ziemlich beschwerlich war. Damit möchte ich nicht sagen, dass das Leben heute leicht geworden ist: Ich versuche allerdings, soweit möglich alle „Ungerechtigkeiten“ zu überwinden, welche manchmal das Leben – das an sich schon schwer genug ist – auf den Kopf stellen, und zwar auch für die so genannten „Normalbürger“.
Dazu könnte ich jede Menge Sachen erzählen. Ich möchte hiermit jedoch von der Erfahrung berichten, die gewissermaßen meinem Dasein eine neue Qualität gegeben hat. Vor etwa zwei Jahren wurde ich von der Fußballfangruppe Associazione Fasano Supporters- ALLENTATI, also von den ULTRAS der lokalen Fußballmannschaft, aufgenommen. Hier habe ich WAHRE FREUNDE gefunden, was heutzutage leider sehr selten ist: Mit ihnen habe ich schöne Momente erlebt, die auf dem ersten Blick gewöhnlich und irrelevant sind – gerade die kleinen Gesten haben jedoch einen unermesslichen Wert.
Wenn wir zum Fußballspiel gehen, zum Beispiel, gibt es unter ihnen immer jemand, der mir hilft: beim reingehen, beim hinsetzen in der Kurve, beim singen, womöglich gegen die „UNTERDRÜCKUNG DER ULTRAS“, beim aufmuntern unserer Mannschaft. Ich bleibe ganz sicher nicht einfach so ganz alleine sitzen, wie so viele am Rande des Spielfelds: meine Freunde, die „Ultras“, versuchen immer, mich einzubeziehen, und so fühle ich mich wegen meiner physischen Lage keineswegs diskriminiert.
Mit diesen Worten möchte ich entgegen einiger Vorurteile wirken und wende mich den Leuten zu, die – auch von den Medien – so realitätsfern gegen die Ultras gehetzt werden, und die glauben, dass ULTRAS einfach nur gewalttätige Leute sind, die nur darauf aus sind, in den Stadien Unruhe zu stiften. Ich bin mir sicher, dass sie an der Oberfläche halt machen oder auf der Grundlage dessen, was sie von anderen gezeigt bekommen, ihr Urteil fallen.
Ich spreche aber auch alle ULTRAS und alle Fußballfans der verschiedenen Mannschaften an, die Behinderte unter ihren Mitgliedern zählen: Sie müssen mit in die Kurve, sie müssen mehr einbezogen werden, sie müssen mitmachen können, genauso wie alle anderen. Glaubt mir: jene 90 Minuten inmitten der Ultras zu sein ist ein unbeschreibliches Gefühl. Jede Barriere ist wie weggeblasen, man fühlt sich komplett frei. Ich möchte hiermit weder Mitleid erregen, noch irgendwie bekannt werden. Mein einziger Wunsch ist es, die Stimme der Behinderten laut zu machen, die sich vielleicht nicht trauen, zu sagen, dass sie mit den anderen zusammen sein, zusammen schreien und singen wollen!

Es liegt an euch, echte „ULTRAS“, den ersten Schritt zu ihnen zu machen: Lasst sie zu einem wichtigen Teil eurer Gruppe werden! Ein Behinderter kann immer ein ECHTER ULTRA sein, er wird IMMER seinen Beitrag leisten!

Ciccio kaimano

ULTRA ZU SEIN BEDEUTET AUCH DAS: EINE GESTE DER SOZIALEN ZUSAMMENGEHÖRIGKEIT, DIE IN UNSERER GESELLSCHAFT OFT VERGESSEN WIRD.