Die Einsamkeit des Abwehrspielers Zoro29 November 2005

Die Geste von Marc André Zoro hat ein Problem, das in letzter Zeit von den Sportinstitutionen sehr vernachlässigt und unterschätzt wurde, wieder stark zum Vorschein gebracht. Der Abwehrspieler vom FC Messina hat uns ins Gesicht geschrieen, dass der Rassismus existiert und in den Stadien und der italienischen Gesellschaft sehr präsent ist. Sein Aufschrei war die verzweifelte Reaktion eines verletzten Spielers – und zwar nicht, weil er von den Fans der Gegenmannschaft beleidigt wurde (im Fußball gehören solche Buh-Rufe und Beleidigungen der Normalität an, ob’s einem gefällt oder nicht) – sondern, weil er als Mann erniedrigt wurde, weil er wegen seiner Hautfarbe als niedrigeres Wesen angesehen wurde, in Anlehnung an die sehr traurige und bekante Lehre der vermeintlichen Überlegenheit der arischen Rasse.
Uns interessiert es nicht, ob die an ihn gerichteten Affenrufe das Ergebnis kühl durchdachter Pläne oder aber eines oberflächigen Studentengeistes sind, denn selbst in einem Stadion, das die Freiheit der Beleidigung und die rituelle Schmähung duldet, werden sie zu einem extremen politischen und ideologischen Symbol.
Uns gefiel Zoros Reaktion. Weniger gefiel uns die Reaktion aller anderen Spieler, Trainer und Schiedsrichter. Sie haben ihn alleine da gelassen: Jemand hat versucht, ihn zu beruhigen, andere taten so, als ob nichts wäre, aber niemand ist ihm in seiner Geste gefolgt. Wir hätten es besser gefunden, wenn alle Spieler für fünf Minuten mit angekreuzten goldfarbigen Beinen sich hingesetzt hätten: Wenn die Inter-Spieler mit ihren Fans gesprochen hätten, während die Spieler vom FC Messina sich das Gesicht schwarz malten, wie vor einigen Jahren ihre Kollegen vom FBC Treviso als Zeichen der Solidarität mit ihrem Kumpel Omolade es getan hatten.
Genau, FBC Treviso. Diese konkrete, ausdrucksvolle Geste der Solidarität ist leider im italienischen Fußball ziemlich die einzige ihrer Art. Die übliche Rhetorik, also: Solidarität in der Theorie, Werbesendungen mit weich gefilmten Konturen, und nun, nach der Notsituation, dank des Einsatzes des FIGC und des italienischen Ligaverbands noch mal ein Tag der Fußballliga gegen den Rassismus.
Wir wollen nicht überkritisch sein: Es wären doch alle gute Sachen, wenn sie Teil eines Plans wären, wenn sie eine gewisse Kontinuität aufweisen würden, wenn sie also langlebiger wären, als nur ein Tag, wenn sie mehr auf die Substanz und weniger auf das Image bedacht wären.
Wir glauben, dass man gegen den Rassismus im Fußball mehr und besser handeln kann.
Seit Jahren wird dieser Kampf von vielen Fangruppen vorangetrieben. Sie organisieren Choreographien, versuchen die rassistischen Beleidigungen mit ihren Choren zu übertönen, rufen außerhalb von Stadion Projekte ins Leben, welche auch die Migranten mit einbeziehen sollen. Das ist allerdings noch nicht genug: Unter anderem, weil diese Anstrengungen sehr oft von den Medien nicht ausreichend registriert werden. Es ist nicht genug, weil dieses Problem von allen als solches wahrgenommen werden soll, weil es eine Diskussion über mögliche Lösungen geben muss, an die alle teilhaben: Weiße und Schwarze, Spieler und Fans, Manager und Medien.
Deshalb wünschen wir uns, dass die Fußballspieler immer aktiver und präsenter sind: Denn gerade sie sind unter den Scheinwerfern, es ist ihre Stimme, die die Jugendlichen erreichen kann, welche sie als Idole und Modelle ansehen. Ein konkretes Engagement der Spieler könnte einen Durchbruch bewirken, könnte einen schmalen Weg zeichnen, den man dann mit Sozialisierungs- und Bildungsmaßnahmen beschreiten könnte.
Wir wünschen uns, dass die Fußballvereine etwas mehr tun würden, als nur einige Slogans gegen den Rassismus auf ihre Websites zu platzieren. Es wäre schön, wenn sie an einige Initiativen gegen den Rassismus aktiv teilnehmen würden, oder wenn sie eigene, an ihre Fangemeinde gerichtete Initiativen dieser Art aufrufen würden.
Schließlich wünschen wir uns, dass der FIGC und der italienische Ligaverband sich etwas weniger auf Gerichte und Senderechte konzentrieren würden, dafür sich ernsthaft um solide, konkrete und nachhaltige Projekte zur Förderung des Zusammenlebens und gegen jegliche Diskriminierung in der italienischen Fußballwelt kümmern.

Progetto Ultrà – UISP