UEFA verpflichtet sich zu Maßnahmen gegen institutionelle Diskriminierung21 Januar 2011

Wegweisende Tagung für erhöhtes Problembewusstsein im Fußball
Eine Tagung zum Problem der institutionellen Diskriminierung im Fußball wurde als historische Premiere begrüßt, die weitere Maßnahmen in Bezug auf die Problematik nach sich ziehen wird.
Bei der von der UEFA, dem niederländischen Fußballverband KNVB, der English Football Association (FA) und dem FARE Netzwerk veranstalteten Tagung war eine Fülle von Redebeiträgen von Aktivisten, ehemaligen Spielern und führenden Funktionären zu hören.
‘Arbeit für das kommende Jahrzehnt’
“Es ist von entscheidender Wichtigkeit, für das kommende Jahrzehnt zu arbeiten“, bemerkte William Gaillard, Berater des UEFA-Präsidenten anlässlich der Eröffnung des Seminars. “Wir müssen der Gesellschaft bei der Bekämpfung möglicher entstehender Ignoranz immer einen Schritt voraus sein.”
Dr. Steven Bradbury, Forscher am Institute of Youth Sport der Loughborough University, präsentierte einen Forschungsbericht über die Repräsentation von Minderheiten und Frauen im europäischen Fußball.
Er erläuterte, dass institutionelle Diskriminierung unter anderem ein kollektives Versagen einer Organisation auf allen Ebenen darin ist, Menschen eine angemessene Dienstleistung zu bieten, und zwar aufgrund ihres ethnische, kulturellen oder religiösen Hintergrunds oder ihres Geschlechts – entweder beabsichtigt oder durch einen Mangel an Verständnis, unbewusste Vorurteile, Gedankenlosigkeit oder Ignoranz.
‘Niedriger Repräsentationsgrad von Frauen’
Dr. Bradbury stellte einige wichtige Probleme in Bezug auf die institutionelle Diskriminierung heraus, darunter den niedrigen Anteil von Trainerinnen im Amateur- und Profibereich in Europa sowie die niedrige Zahl von Frauen in leitenden Verwaltungspositionen in Männer-Profiklubs sowie in den Fußballverbänden.
Er stellte auch einige positive praktische Beispiele heraus, darunter den Fall Norwegen, wo 1985 eine Quotenregelung eingeführt wurde, die festlegt, dass in die Schlüsselkomitees jeweils mindestens eine Frau zu berufen ist.
Dies hat zu einem Repräsentationsgrad von 40 % Frauen geführt, und im Jahr 1996 wurde Karen Espelund zur ersten Vizepräsidentin des norwegischen Fußballverbands und später zu dessen Generalsekretärin.
‘Quoten waren wichtig für mich’
“Ich hätte niemals meine Fähigkeiten unter Beweis stellen können, wenn ich mich nicht in einem Quotensystem befunden hätte,” erklärte Sie gegenüber dem ehemaligen Stürmer von Tottenham Hotspur und Manchester United, Garth Crooks, der eine Podiumsdiskussion leitete.
“Selbstverständlich muss man beweisen, was man kann, aber Quoten sind extrem wichtig, um Türen zu öffnen.”

Obwohl 32,7 % aller Spieler auf dem Spitzenniveau des Profifußballs ‘ausländische Migranten’ aus Europa, Afrika und Südamerika sind, liegt der Anteil von Angehörigen ethnischer Minderheiten in leitenden Funktionen in Profiklubs sowie in Verbänden auf nationaler und regionaler Ebene bei unter 1 %.
‘Sehr wenige Schwarze in Trainer- oder Führungspositionen’
Pape Diouf, der ehemalige Präsident von Olympique Marseille wies darauf hin, dass trotz des hohen prozentualen Anteils schwarzer Spieler in Frankreich nur sehr wenige von ihnen nach ihrer aktiven Karriere Trainer werden oder in leitende Positionen gelangen. “Es ist nicht allein ein Problem des Fußballs – sonder der gesamten Gesellschaft”, merkte er an. “Ich war der erste schwarze Vereinspräsident in Frankreich, und ich hoffe, ich werde nicht der letzte sein.”
Bryan Roy, ein ehemaliger Spieler von AFC Ajax und Nottingham Forest und derzeit Jugendtrainer bei Ajax, ließ Revue passieren, was ihm damals bei der Weiterentwicklung nach seiner aktiven Karriere geholfen hat, und unterstrich die Bedeutung der Bildung. “Das ist kein Problem von schwarz und weiß,” erklärte er. “Zum Beispiel hat Johan Cruyff seine eigene Akademie gegründet, die es jungen Sportlern ermöglicht, Bildung zu erwerben und es ihnen damit erleichtert, auch nach ihrer aktiven Karriere im Sportbereich zu arbeiten. Ich glaube, dass Bildung der entscheidende Punkt ist.”
Ausgrenzung von Roma
Valeriu Nicolae, ein führender Aktivist für die Rechte der Roma in Europa und Vorstandsmitglied von FARE, berichtete, wie sich institutionalisierte Vorurteile und Ausgrenzung im Fußball für viele Roma-Gemeinschaften darstellen.
Trotz ihrer Liebe für den Fußball erfahren die Roma-Spieler Ausgrenzung durch den Mangel an Ressourcen in ihren Gemeinschaften. Diejenigen, die es auf ein professionelles Niveau geschafft hatten, fühlten sich genötigt, ihre Identität zu verbergen.
Die Delegierten der Tagung waren sich einig, dass diese Zusammenkunft einen ersten Schritt in Richtung zukünftiger Lösungen darstellte. “Einige Dinge sind so leicht zu ändern. Ich rufe die Präsidenten der Fußballverbände dazu auf, aufzustehen und allen bewusst zu machen, dass wir sehr leicht die Situation ändern können, mit der wir aktuell zu tun haben,” erklärte Michael van Praag, Präsident des KNVB und Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees.
‘Wir können Denkweisen ändern’
“Die Führungspersönlichkeiten von Verbänden, ob im Fußball oder in anderen Sportarten, sind in der Lage, Denkweisen zu verändern, denn sie sind das erste, was wir ändern müssen. Und ich glaube, jeder der hier anwesenden hat schon jetzt eine andere Sichtweise als noch heute morgen. Ich möchte der FA, FARE und der UEFA sowie allen Teilnehmern dafür danken, dass sie diese hochrangige Initiative ergreifen.”