Ukrainischer Frauenverein kämpft gegen Homophobie09 August 2012

Die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine rückte das zuvor wenig diskutierte Thema Homophobie in die mediale Öffentlichkeit. Eine Pride Parade in Kiew im Mai 2012 musste wegen tätlicher Angriffe auf Menschen der LGBT-Community (Lesbian, Gay, Bi- and Transsexual) abgebrochen werden und zahlreiche Kunstwerke wurden bei einem Überfall auf eine LGBT-Foto-Ausstellung im Visual Culture Research Center in der ukrainischen Hauptstadt zerstört. Diese beiden Vorfälle, wie LGBT-Aktivisten glauben, sind nur die Spitze des Eisbergs und verdeutlichen die Probleme, mit welche Schwule und Lesben in der Ukraine konfrontiert werden.

FARE sprach mit Alla Oliynik vom NRG Sport-Club, einem ukrainischen Amateurverein für ausschließlich Frauen.

Wachsende Nachfrage nach LGBT Sport
Alla Oliynik ist lesbisch und lebt in der Ukraine. Sie ist Mitbegründerin des 2005 in Kiew ins Leben gerufenen Clubs. NRG begann mit nur einem Fußballteam, und hat sich, in Reaktion auf die wachsende Nachfrage in der LGBT-Gemeinschaft für andere Sportarten, wie Volleyball, Basketball, Badminton und Tischtennis, seitdem zu einem Multi-Sportverein entwickelt und vergrößert.

Die Gründung einer LGBT-Gruppe in der Ukraine ist ein mutiger Schritt in einem Land, das damit droht ein Gesetz zu verabschieden, welches „homosexuelle Propaganda“ verbietet und die Veröffentlichung oder Verbreitung von Informationen über LGBT-Themen, mit einer möglichen Strafe von bis zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

In einem Land mit wenig Möglichkeiten für LGBT-Menschen sich öffentlich zu begegnen, funktioniert NRG sowohl als Rückzugsort und Treffpunkt in einem, wie Alla erklärt: „Der Club versucht die LGBT-Gemeinschaft in der Ukraine mit Hilfe des Sports zu vereinigen und zu entwickeln; wir kämpfen gegen alle Formen der Diskriminierung, zur Förderung einer gesunden Lebensweise und bieten den Frauen die Möglichkeit, sich im Sport zu verwirklichen, unabhängig von sexueller Orientierung, Hautfarbe, Religion oder körperlichen Fähigkeiten.“

Der Verein ist gezwungen, die Identitäten der Mitglieder, die sich noch nicht öffentlich geoutet haben, zu schützen und postet keine Bilder von jenen Spielerinnen auf seiner Website oder auf Facebook.

Das hohe Maß an Homophobie in der ukrainischen Gesellschaft lässt es nicht zu, dass NRG als offen lesbischer Verein in Erscheinung tritt. Daher findet man auch keinerlei Hinweise auf eine LGBT-Zugehörigkeit auf den russischen /ukrainischen Versionen der Website.

Alla fügt hinzu: „Auch wenn es uns in der Ukraine nicht erlaubt ist, offen zu sagen, dass wir ein Verein für lesbische Frauen sind und ein lesbisches Fußball-Turnier organisieren, sind sich die Menschen und teilnehmenden Teams dessen sehr wohl bewusst, welche Art von Verein sind wir. Die ukrainische Gesellschaft hat Angst vor LGBT-Menschen, weil sie sehr wenig über uns wissen. Wir versuchen, ihnen eine Art von Bildung durch Fußball zu geben, indem wir ihnen zeigen, dass wir genauso sind wie sie. “

Durch strenge Vorschriften und die Nichtanerkennung seitens der Behörden, ist NRG gezwungen, als informelle Gruppe auf freiwilliger Basis aufzutreten. Alla und ihre Mitstreiterinnen glauben, dass ihr Antrag auf Eintragung des Vereins ins Vereinsregister wegen ihres Leitsatzes abgelehnt wurde, welcher die „Bekämpfung von Homophobie in der Gesellschaft und Diskriminierung aufgrund der sexueller Orientierung sowohl die Förderung von Toleranz gegenüber homosexuellen Menschen“ beinhaltet. Da NRG kein eingetragener Verein ist, entstehen viele Probleme. Es können keine Trainingsgelände oder Sporthallen angemietet werden und die Organisation von Turnieren gestaltet sich ebenfalls schwierig.

EM half auf Homophobie aufmerksam zu machen
Danach gefragt, welche Auswirkungen die EM auf LGBT-Rechte in ihrem Land hatte, meint Alla: „Es war ein bedeutendes Ereignis für die Ukraine. Die EM brachte eine Menge Diskussionen über die Menschenrechte und auch Gay and Lesbian Rights im Land in Gang. Noch gibt es keine unmittelbaren positiven Ergebnissen für NRG, aber zumindest ist es uns gelungen, mit Hilfe der Medien, die Menschen in der EU auf die homophoben Einstellungen in der Ukraine aufmerksam zu machen und mit Organisationen wie FARE in Kontakt zu treten, um Homophobie gemeinsam zu bekämpfen. “

Obwohl der Verein von Lesben gegründet wurde, sind alle Frauen als Mitglieder willkommen. Lesben, bisexuelle und heterosexuelle Frauen spielen alle zusammen in einem Team. Alla betont, dass es im Kampf gegen Homophobie wichtig ist, sich nicht absichtlich abzukapseln von der Mehrheitsgesellschaft, was Kluft zwischen der heterosexuellen Gesellschaft und der LGBT-Community nur vergrößern würde.

NRG Frauen-Futsal-Turnier in Kiew
NRG veranstaltet das 6. Frauen-Futsal-Turnier „NRG gathering friends – 2012“ in Kiew vom 21. – 23. September. An dem Freundschaftsturnier werden, zwölf Teams aus der Ukraine, Deutschland, Polen, Russland, Weißrussland und Tschechien teilnehmen. Alla betont, „Bei dem Turnier werden lesbischen und nicht lesbische Frauen Schulter an Schulter in den Teams spielen. Darum geht es uns. Jeder ist eingeladen, mitzumachen! “

Für weitere Informationen über das Turnier oder Möglichkeiten, den Verein zu unterstützen findet ihr auf der Website. Oder auf Facebook: http://www.facebook.com/pages/NRG/162951383760646